Seit dem Inkrafttreten des WPG und der bayerischen AVEn kommen täglich Anfragen von Gemeinden, die sich fragen: Was müssen wir tun, und was wäre für uns ein sinnvolles Wärmenetz? Dieser Artikel fasst die sieben Fragen zusammen, die wir am häufigsten hören – mit direkten Antworten aus der Praxis von vier eigenen Kommunalprojekten in Mittelfranken.
1. Müssen wir zuerst einen Wärmeplan erstellen, bevor wir ein Netz bauen können?
Nein – der Wärmeplan ist eine strategische Pflichtaufgabe der Gemeinde, aber er ist keine rechtliche Voraussetzung für den Bau eines Wärmenetzes. Wärmenetzprojekte können parallel zum Planungsprozess oder auch ohne formellen Wärmeplan vorangetrieben werden.
Allerdings hat der Wärmeplan einen praktischen Vorteil: Er schafft Planungssicherheit für Investoren und Bürger. Weist er ein Gebiet als Wärmenetzgebiet aus, signalisiert das dem Markt, dass eine Netzinfrastruktur kommen wird – was Anschlussquoten erhöht und die Wirtschaftlichkeit verbessert. Für BEW-Modul-2-Förderung ist ein bestehender oder geplanter Wärmeplan zudem ein starkes Signal an die BAFA.
2. Was kostet ein Wärmenetz, und wer trägt die Kosten?
Die Investitionskosten hängen stark von Netzgröße, Trassenführung und Wärmequelle ab. Als grobe Orientierung für bayerische Nahwärmeprojekte:
Klein
20–40 Anschlüsse
2–4 km Trasse
Projektkosten auf Anfrage
Mittel
60–120 Anschlüsse
5–10 km Trasse
Projektkosten auf Anfrage
Groß
150+ Anschlüsse
10–20 km Trasse
Projektkosten auf Anfrage
Mit BEW Modul 2 (bis zu 40 % Zuschuss) und KfW-Kredit auf den Restbetrag trägt die Gemeinde oder der Netzbetreiber effektiv oft nur 25–35 % der Gesamtinvestition als Eigenkapital. Die laufenden Kosten werden über den Wärmepreis auf die Kunden umgelegt und amortisieren das Netz typischerweise in 15–25 Jahren.
3. Muss die Gemeinde das Netz selbst betreiben?
Nein. Die häufigsten Betriebsmodelle in der Praxis sind:
- Eigenbetrieb durch die Gemeinde (oder einen kommunalen Zweckverband): Volle Kontrolle, aber auch volle Verantwortung für Betrieb, Wartung, Entstörung und Abrechnung. Setzt kommunales Know-how oder externen Betriebsdienstleister voraus.
- Übertragung an einen privaten Betreiber (z. B. Energie Ziegler): Die Gemeinde bleibt Eigentümer oder Mitgesellschafter des Netzes, der private Partner übernimmt Betrieb, Wartung und Abrechnung. Schlanke Lösung ohne kommunalen Personalaufwand.
- Stadtwerk oder Regionalversorger: In manchen Regionen übernehmen Stadtwerke oder Energiegenossenschaften den Betrieb. Setzt Interesse und Kapazität beim Stadtwerk voraus.
Wir betreiben alle vier unserer Projekte im Auftrag der jeweiligen Netzgesellschaft – inkl. 24/7-Überwachung, Wartungsverträgen und vollautomatischer Abrechnung. Die Gemeinde erhält monatliche Betriebsberichte und hat über unser Kundenportal jederzeit Einblick.
4. Müssen Bürger sich anschließen lassen?
Nein – es gibt keinen automatischen Anschlusszwang. Ein Bürger kann sich freiwillig anschließen oder auf eigene Wärmelösung (Wärmepumpe, Pellets) setzen. Einen Benutzungszwang kann die Gemeinde nur per Gemeinderatsbeschluss und kommunale Satzung festsetzen – was in der Praxis selten vorkommt.
Die Anschlussdichte ist dennoch entscheidend für die Wirtschaftlichkeit. Wir empfehlen, vor Baubeginn eine Vorvermarktungskampagne zu starten und mindestens 60 % der möglichen Anschlüsse als Vorverträge zu sichern. In unseren Projekten lagen die Anschlussquoten bei Inbetriebnahme zwischen 72 % und 91 %.
5. Wie lange dauert es vom Gemeinderatsbeschluss bis zur Wärmelieferung?
Realistisch einzuplanen: 18–30 Monate, je nach Größe und Komplexität:
- Monate 1–3: Machbarkeitsstudie, Förderantrag BEW Modul 1
- Monate 4–6: Ausführungsplanung, Genehmigungen, BEW-Modul-2-Antrag vorbereiten
- Monate 6–9: BAFA-Prüfung, Ausschreibung Tiefbau & MSR
- Monate 9–18: Bauphase (parallel: Übergabestationen beim Kunden)
- Monat 18–20: Inbetriebnahme, Probebetrieb, Übergabe
Wer heute einen Gemeinderatsbeschluss fasst, kann realistisch im Herbst/Winter 2027/2028 die ersten Kunden mit Wärme versorgen – pünktlich vor den politischen Fristen des WPG und der kommunalen Wärmeplanung.
6. Welche Energiequelle ist die richtige für unsere Gemeinde?
Das hängt von lokalen Gegebenheiten ab. Die häufigsten Quellen im ländlichen Raum:
- Hackschnitzel/Holzpellets: Günstig, regional verfügbar, CO₂-neutral bei nachhaltiger Forstwirtschaft. Am häufigsten in unseren Projekten eingesetzt.
- Biogas-BHKW: Gut kombinierbar mit Hackschnitzel als Spitzenlastkessel. Erfordert nahe liegende Biogasanlage.
- Wärmepumpe (Luft/Wasser oder Erdwärme): Ideal für Gebiete mit niedrigem Temperaturniveau; höhere Betriebsstromkosten, aber sehr niedrige CO₂-Emissionen.
- Solarthermie: Ergänzend für den Sommer-Betrieb, selten als alleinige Quelle.
In unserer Beratung analysieren wir für jede Gemeinde die Verfügbarkeit, den Preis und die CO₂-Bilanz aller Optionen – und empfehlen meist eine Kombination, die Grundlast und Spitzenabdeckung wirtschaftlich optimiert.
7. Was ist der erste konkrete Schritt?
Der erste Schritt kostet nichts und dauert eine Stunde: ein unverbindliches Erstgespräch, in dem wir gemeinsam klären, ob ein Wärmenetz für Ihre Gemeinde grundsätzlich in Frage kommt. Dabei schauen wir auf Wärmedichte, vorhandene Wärmequellen, topografische Herausforderungen und politische Rahmenbedingungen.
Wenn das Ergebnis positiv ist, folgt als nächster Schritt eine Machbarkeitsstudie – die wir über BEW Modul 1 zu 50 % fördern lassen. Das Risiko für die Gemeinde ist damit von Anfang an überschaubar.